
«Das Sinnvollste, das ich in meinem Leben gemacht habe»
Floss-Kapitän Tino Krattiger über Hochwasser, Rheinufer und wen er sich noch als Gast auf dem Kulturfloss wünscht.
Herr Krattiger, können Sie sich noch an das erste Konzert auf dem Floss im Sommer 2000 erinnern? Tino Krattiger: Da müsste ich ehrlich gesagt meiner Erinnerung ein bisschen auf die Sprünge helfen. Woran ich mich aber noch sehr gut erinnere, ist der Auftritt vom «Stille Has». Man muss sich vorstellen: Das Floss war im ersten Jahr ein kunterbuntes Jekami. Da kamen pro Abend vielleicht 50 bis 150 Leute. Dann haben wir die Band Stiller Has gekriegt. An diesem Abend lief ganz Basel ein – das waren fast tausend Leute. Das war für mich ein entscheidender Moment. Man probiert etwas, ist sich nicht sicher, ob es gut ankommt. Und plötzlich kommen ganz viele Leute. Kurz vor dem Konzert hat es dann noch die Sicherung rausgehauen und der ganze Strom war weg. Es gibt noch ein Foto von mir, wie wir fünf Minuten vor dem Konzert rüber sind, um die Sicherung wieder reinzuschrauben. Am Ende hat alles geklappt. Rückblickend war dieser Abend das Initiationsritual des Flosses. Von da an lief es. Welche anderen Momente sind Ihnen geblieben? Ich denke immer gerne an eines der Konzerte von Patent Ochsner zurück. Einmal hat die Band am Ende ihres Lieds «Scharlachrot» auf einmal die Melodie von «z Basel a mim Rhy» eingebaut. Einige im Publikum begannen zaghaft mitzusingen und plötzlich erfasste das alle kollektiv. Das hat diesem Lied für mich einen ganz neuen Sinn gegeben. Man sitzt am Rhein, schaut seiner Lieblingsband zu. Der Rhein mit dem Floss und den Buvetten als Treffpunkt, als Ort, an dem man sein möchte. Das gibt es noch gar nicht so lange. Das war auch für die Band ein Gänsehautmoment.

